Aus den Buchkritiken und Kommentaren zu "Juris Kristalle. Novelle über eine Schizophrenie", erschienen im worthandel : verlag 2012 

"Juris Kristalle ist ein buchstäblich schöner Text, ein sprachlich sehr harmonischer, melodiöser, sanfter Text ... Da herrscht so ein Hermann Hesse - Tonfall, der noch die dramatischsten Ereignisse  sinnstiftend zu etwas Gutem wendet. Sehr schön zu lesen." (Rainer Götz, Lektor des Literaturverlages Droschl)   


"Die Novelle thematisiert in behutsamer Weise, wie sich in einem Menschen eine Psychose aufbauen kann. Kerstin Fischer hat versucht, die Schizophrenie auf künstlerische Weise zu entmythologisieren." (HAZ)   

Auszug aus einem Artikel über eine Lesung in Hildesheim: "Eine poetische und dennoch realistische Auseinandersetzung mit einem Krankheitsverlauf, die voller Magie steckt. Dem können sich Susanne Müller-Forwergk von AWO-Trialog und Anja Kraus von Ameis Buchecke nur anschließen. Die Initiatorinnen sind fasziniert von der Sensibilität der Autorin: "Kerstin Fischer umschreibt die schleichenden Wahrnehmungsveränderungen, die Juri ängstigen mit so lyrischen Worten, dass es eine Freude war ihr zuzuhören", erklärt Susanne Müller-Forwergk begeistert." (Leine-Deister-Zeitung, 29.10.2012)        


"Die Novelle von Kerstin Fischer beschreibt den Lebensweg und zeigt die äußeren Umstände auf, die dazu führen, dass Juri in seiner Gedankenwelt in die Schizophrenie gleitet. Dabei fällt der Krankheitsbegriff im Text nicht. Der Feinsinnige liest bereits in seiner Jugend viel, so etwa auch "Schuld und Sühne" von Dostojewski. Immer wieder zieht er sich in seine inneren Welten zurück. Oder er schlüpft aus sich selbst heraus und beobachtet sich von außen. Als er ein Literaturstudium aufnimmt und ihm die Hauptfigur dieses Romans, Rodion Raskolnikow, leibhaftig auf dem Campus begegnet, bekommt er zum ersten Mal eine schwache Ahnung davon, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Juri schafft trotzdem den Balanceakt, sich mit den Phantasien aus seinen Romanwelten in der Realität zurecht zu finden. Er zerbricht erst,  als der äußere Druck übermächtig wird... Kerstin Fischer ist mit "Juris Kristalle" ein außerordentlicher und bemerkenswerter literarischer Wurf gelungen."(Sabine Ranft von Basta am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München) BASTA ist Teil des weltweiten Programms der World Psychiatric Association (WPA.).




"Kerstin Fischer erzählt Juris Geschichte fließend aber ohne sich treiben zu lassen. Sie zeigt uns die Welt, wie sie sich in Juris Kopf abspielt, parallel zu der Welt außerhalb, in der er sich behaupten muss. Da in der Erzählung selbst die Grenzen zwischen Wahn, Wirklichkeit und Traum nicht durchgängig erkennbar sind, weiß der Leser oft nicht, woran er mit Juri ist - was ist wahr, was Besessenheit, was Phantasie? Sind seine Kollegen in der Redaktion, in der er nach dem Studienabschluss arbeitet, tatsächlich gegen ihn im Bunde; wie viele der Menschen, von denen er erzählt, denen er schreibt, sind überhaupt real...?" (Bremer Literaturkontor)



"Kerstin Fischer gelingt es mit einer poetischen und zugleich kristallklaren Sprache das Dahinter auf unglaublich tiefsinnige, feinfühlige und hochsensible Art und Weise ans Licht zu holen, dass es einem manchesmal fast unbegreifbar ist, wie dies einer Schriftstellerin möglich sein kann. Welche Kunst! Sie schwenkt niemals in Klischees, pathologische Zuordnungen oder Verurteilungen ab. Die immer wieder haarscharfe Wortwahl und deren Einsatz im richtigen Moment erinnern in seiner Präzision an Musikwerke von Mozart, an den Schmerz in Brahms Requiem sowie an das Buch: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". (Judith Faller, schweizer Lyrikerin)   



"Juri fühlt sich mitunter als Beobachter seiner selbst, als sähe er seine Handlungen aus einer Distanz heraus an. So auch der Leser, der dem Protagonisten nicht näher kommen kann, seine Entwicklung beobachtet, ohne sich tief in ihn einzuleben. Dass der Leser aber dennoch hinsieht, hat gute Gründe: eine bildgewaltige und gleichsam poetische Sprache und das aufrichtige Interesse für Juri, welches die Novelle im Rezipienten zu entwickeln vermag.Es fliegt die Entwicklung des Protagonisten dahin, hier blitzt die Kindheit auf, schon zieht das Studium vorbei. Doch diese rasante Entwicklung, in der Form der Novelle als Gattung so geschuldet, arbeitet nur umso deutlicher das zentrale und ihn verlässlich begleitende Motiv in der Figur des Juri heraus: eine sensible Leidenschaft im Spannungsverhältnis von Genie und Wahnsinn, die ihren Platz in der Welt sucht. Die Geschichte ist fesselnd und berührend, die Sprache elaboriert und ist dennoch von großer Schönheit.Juri, der Empfindsame, der zu schroffen Ansichten neigt, zeichnet seinen Lebensentwurf gegen die technokratische Welt und tritt doch in Korrespondenz mit ihr. Der Widerhall ist Unverständnis und seine persönliche, darauf folgende Haltung die Unermüdlichkeit. Briefe und Interaktion scheinen keinen Partner auf gleicher Ebene zu finden, nur Schweigen, während die lautstärkeren Kräfte, die Juri innewohnen, sich antagonistisch manifestieren und doch einen ungleich konkreteren Beitrag leisten können. Dieser kommt derweil nicht sanft daher, sondern ist Ergebnis latenter Dämonie und später auch einer komplexen Qual, die Kampf, Niederlage und Auferstehung voraussetzt.Wer möchte, liest aus dieser Novelle Verwirrung und Magie. Wer nach Titelzusatz "über eine Schizophrenie" lesen möchte, findet den klaren Verlauf einer Erkrankung, Poesie und Feinsinn befinden sich in jedem Absatz in konzentrierter Form und eine prosaische Entwicklungsgeschichte durchzieht das Werk. Neben diesen Durchlässigkeiten des Genres sowie Juris Realität bleibt eines ganz haltbar, die Begeisterung für dieses Buch - beeindruckend. Ich denke, dass dieses Werk geeignet ist, einen nicht-medizinischen Blick auf den Themenkomplex seelischer Gesundheit zu werfen. Es stellt die Konstruktion der Krankheit zwar nicht direkt in Frage, zeigt aber deutlich auf, dass deren Grenzen eben nicht immer scharf umrissen sein müssen, fragt nach der Rolle des Leidensdruckes und der Relevanz psychischer (Über-)Empfindlichkeit zum Gelingen spezifischer Lebensentwürfe.Juris Kristalle bringt in seiner magischen und metaphorischen Sprache doch eines sehr konkret näher, einen klaren Blick auf die Lebenswirklichkeit von psychischer Erkrankung betroffener Menschen. Somit leistet die Novelle das Paradoxe: In der Magie dieser Geschichte erlebt die Erkrankung ihre Entmystifizierung - ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung betroffener Menschen." (Andreas Kneller, unplugged - das Beratungscafé)


"Schizophrenie ist mit sehr vielen Vorurteilen behaftet", sagt die 47-Jährige. Häufig werde die Krankheit mit Aggressionen in Verbindung gebracht. Reißerische Presseartikel über Bluttaten psychisch schwer gestörter Menschen hätten ihren Teil dazu beigetragen. Mit der Figur des Juri habe sie einen Gegenentwurf zum Gewalttäter liefern wollen, erklärt Fischer. Das ist ihr gelungen." (Kreiszeitung) 



Voller Magie und mit einem heißen Kern"Sehr gerne gelesen habe ich diese klassische, im besten Sinne altmodische Novelle von Kerstin Fischer. Eine Entwicklungsgeschichte, die berührt und mit ihrer poetischen und doch prägnanten Sprache verzaubert. Eine ganz reale Welt, eine vertraute Gegenwart, aber von der Autorin mit einer irgendwie zeitlosen, glitzernden Patina überzogen; Kristalle eben.

Juri ist schon als Kind eigen- und einzigartig. Ein Berufener, zu einer ganz eigenen Weltsicht und zum Schreiben. Die Zeit des Studiums dient dazu, der Leidenschaft eine solide Wissensbasis hinzuzufügen. Aber auch hier zeigt sich die Durchlässigkeit von Juris Realität zur Fiktion, zur Literatur und anderen Welten. Figuren aus Dostojewskis Romanen scheinen ihm ganz real zu folgen und nichts Gutes im Sinn zu haben. Literatur dringt mit ihrem Personal und ihren Motiven in sein Leben ein. Und Anna, die begehrenswerte Professorin wird zur Projektionsfläche seiner Wünsche und Gedanken. Ein intensiver, doch einseitiger Briefwechsel zu ihr entspinnt sich.
Dem Studium folgt eine Anstellung bei einer bedeutungslosen Zeitung. Der normale Alltag scheint vorerst mit seiner Routine, den intrigierenden Kollegen und allem, was dazugehört, Juris Leben zu besetzen. Die Liebe zu Anna verläßt ihn in just dem Augenblick, als sie seinem Werben nachzugeben beschließt.

Gegen alle Anfeindungen gelingt es Juri mithilfe seines Intellekts und seiner Verteidigungsstrategien, in der Redaktion aufzusteigen und das Vertrauen des Chefs zu erlangen. In einem britischen Kollegen gewinnt er einen Freund, der ihn fördert und nach seinem Wegziehen in die Heimat zum neuen Adressaten von Juris Briefen wird. Auch er beantwortet sie vorerst nicht.
In Juri häufen sich die Fragen. Seine Beschäftigung mit Jack London, mit Dostojewski, mit Dickens prägen sein Seelenleben und er verzweifelt an den ausbleibenden Antworten.
Eine neue Liebe taucht auf und verschwindet, was schon lange als Schwebstoffe in Juri präsent gewesen ist, kristallisiert sich langsam. Juri bricht zusammen, letztendlich übernehmen die Bösewichter die Kontrolle. Er fühlt sich verfolgt, fürchtet Attentate der dostojewski`schen Schurken, wähnt die Freunde und Fürsprecher nur Trugbilder des eigenen Denkens und landet letztlich in einer Anstalt. Ein Psychologe kann sein Vertrauen gewinnen und ihn so weit aufbauen, dass der alte Traum vom Schreiben ihn letztlich aus der Krise holt.
Juri schreibt endlich SEINE Geschichte und alles löst sich. Er bekommt Anerkennung- und: Antworten.

Juris Suche nach einem Vertrauten, einem Ohr für seine oft widersprüchlichen Gedanken hat mich berührt. Seine Zielpersonen auf dieser Suche wechselt er mehrfach, abrupt und ohne durch vorhergehende Enttäuschungen dabei vorsichtiger zu werden. Dies mag für robustere Charaktere überspannt und naiv wirken, wer sich aber traut, einmal in seine eigene Gemütslage der Jugendjahre zurück zu fühlen, wird erkennen, dass es durchaus ein gutes Porträt dieser Lebensstufe ist.

Kerstin Fischer spielt virtuos mit den Mitteln der Novelle und der Entwicklungsgeschichte.
Manches geht, der Form geschuldet, etwas schnell, dennoch sind ihre Figuren klar und scharf umrissen. Einige Fäden laufen ins Leere, gleich zwei Frauenfiguren, die faszinieren, verschwinden fast lautlos, aber auch das ist klug gewählt, denn dies ist -eindeutig und unzweifelhaft- JURIS Geschichte und beinahe gewinnt man, angestoßen von der Raffinesse der Autorin den Eindruck, alle weiteren Figuren könnten TATSÄCHLICH nur Juris eigenen Projektionen sein.
Ich bewundere die Schilderung der verschiedenen Milieus. Sowohl Juris eher einfaches Elternhaus, die Universität als auch die Redaktionswelt sind hervorragend geschildert. Die unsäglichen Kollegen, die mondäne Professorin, der englische Freund sind mit wenigen Worten, aber dennoch vielschichtig und reizvoll gestaltet.
Auch das Spiel mit den leicht irrealen Elementen, dem Einzug literarischer Figuren in das Hier-und-Jetzt des Protagonisten ist gelungen. Ein Roman steckt in dieser Idee, aber zu Recht hat sich die Autorin für das dezente Setzen von zarten Akzenten entschieden.
Kerstin Fischers Sprache, ich sagte es schon eingangs, ist entspannt, melodisch und biegsam. Sie ist ebenso fähig, tiefe Psychologie wie Poesie zu vermitteln.

Juris Kristalle ist eine poetische und dennoch realistische Auseinandersetzung mit einem sensiblen, vielleicht übersensiblen Charakter, keine psychiatrische Studie. Stellen wir uns erneut die Frage, ob eine besondere Empfindsamkeit zu Genie oder zu Wahnsinn führt; stellen wir uns erneut die Frage nach der Grenze." (Matthias Engels, Wortnetz/Zeitschrift des Verbandes deutscher  Schriftsteller in Niedersachsen und Bremen / Ausgabe Juni 2012 )     

 

 

 

 

Buchbesprechungen und Kommentare zu "Sergejs Schatten"


"Nachdem die Schriftstellerin Kerstin Fischer mit ihrem Buch "Das Gewächshaus" der Empfindungswelt einer Magersüchtigen beeindruckend nachspürte, steht in "Sergejs Schatten" ein Narziss im Mittelpunkt, der über den Zerrspiegel seiner deformierten Außen- und Innenwelten am Beispiel seines Konterparts, der Dulderin Alba, eindringlich dargestellt wird. Mit ihrem neuen Buch variiert Fischer das Thema von Hingabe und narzisstischem Verharren, das sie unter ein Motto aus Thomas Manns "Zauberberg" gestellt hat, wonach alle Krankheit verwandelte Liebe sei..." TAZ, 27.06.2009



Intensive Darstellung inneren Erlebens

Das im Ludwigsfelder Verlagshaus neu erschienene Büchlein "Sergejs Schatten" von Kerstin Fischer beschreibt einen Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Hin- und hergerissen von dem Bedürfnis nach Nähe und Distanz steuert seine Beziehung auf eine Katastrophe zu. Spannend bleibt, wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickelt -ob sie zusammen kommen oder nicht. Besonders auffällig ist die literarische Sprache. Dank der eindrücklichen Wortwahl wird eine intensive Darstellung der inneren Erlebniswelten möglich. Dadurch wird es für den Leser deutlich, warum Sergej sich seiner Freundin nicht nähern konnte. Kerstin Fischer, geboren 1965, studierte in Bremen Literatur- und Sprachwissenschaften sowie Geschichte, arbeitet seither als freie Autorin und Publizistin. 2007 erschien ihre romanhafte Erzählung um den Lebensgang einer magersüchtigen Studentin: "Das Gewächshaus". In beiden Büchern beschreibt die Autorin psychopathologische Themen in belletristischem Gewand. (Sabine Ranft von BASTA am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität in München) 


BASTA ist Teil des weltweiten Programms der World Psychiatric Association (WPA.) 




Literarisch äußerst bedeutsam. Zu Kerstin Fischers romanhafter Erzählung "Sergejs Schatten"


Eigentlich war es ein eher zufälliger Auftrag, der die Kunstfotografin Alba und den Wissenschaftler Sergej auf dem Gelände des Instituts für Angewandte Physik zusammenführte. Doch die Begegnung erwies sich als eine verhängnisvolle Affäre. Denn die junge Künstlerin verstand sich zwar darauf, "im rechten Moment abzudrücken, wenn im Spiel der Falten Lebensgeschichten aufflackerten, jenem Öffnen der Lider, die Träume überspannt hielten, ein Bild zu geben", - aber auf Männer wie den Schönling Sergej verstand sie sich nicht. Weshalb Alba seine immerwährende Gier nach neuen Parfüms, neuen Haaren, neuen Locken, neuen Augen, grünen, braunen, blauen erst wahrnahm, als sie seiner "anziehenden, machtvollen und zynischen Aura" bereits verfallen war.

Kerstin Fischers romanhafte Erzählung handelt von der Liebe zweier Menschen, also vom ältesten aller Schicksalsthemen, von Anziehung und Abstoßung, von Sehnen und Verfallen, von Suchen und Verbergen. Die stilistische Brillanz aber mit der Fischer ihren Protagonisten wie beiläufig Kontur und Tiefe gibt, ist wieder einmal eindrucksvoll. Denn schon in ihrem Erstling "Das Gewächshaus" (2. Auflage 2007) hat die Autorin mit analytischem Spürsinn und dichterischer Kraft zu beeindrucken gewußt. Diesmal ist das Motto Thomas Manns "Zauberberg" entlehnt, wonach alle Krankheit verwandelte Liebe sei. Sergej, ihr negativer Held, ahnt zwar , daß Begehren Brücke, Weg und Steg zum Anderen sein kann, allein nur in den helleren Sphären seines schon seit Kindertagen verdunkelten Seins.


Mit Kerstin Fischer, ohne Zweifel, ist ein neuer Stern am literarischen Himmel aufgegangen, der die Tiefen menschlichen Seins ebenso wie die Höhen nicht nur kennt, sondern sie auch zu loten und literarisch äußerst bedeutsam und noch in den feinsten Nuancen faszinierend zu gestalten versteht. Man möchte jetzt auch einmal eine große auserzählte Geschichte von ihr lesen; ihr Talent dazu hat sich längst erwiesen. (Horst Stein)

Der Rezensent war Chefredakteur am "Göttinger Tageblatt" und ein leitender Redakteur bei der Tageszeitung "Die Welt".  




 


"In ihrer Erzählung "Sergejs Schatten" beschreibt die Autorin und Lyrikerin Kerstin Fischer das Beziehungsgeflecht eines Paares zwischen Liebe und Wahn. (...) Fischer ist vor allem durch ihre erste Roman-Erzählung "Das Gewächshaus" über eine magersüchtige Frau bekannt geworden." Weserkurier, 22.04.2010




Rezension zu der Erzählung "Das Gewächshaus"

"Im Oval des Erinnerns"


Hoffnung und Sehnsucht, innere wie äußere Schönheit, die viel zitierte Suche nach sich selbst: Das sind die Themen der romanhaften Erzählung "Das Gewächshaus" der poetisch versierten Bremer Autorin Kerstin Fischer.
"Als Sophia vier Jahre alt war, verkündete sie ihrer Mutter, sie habe keine Angst vor dem Tod." - Mit diesem seltsam anmutenden wie auch verheißungsvollen Satz beginnt die Geschichte um die junge Studentin Sophia, deren Schicksal und Erlebnisse den Mittelpunkt des Romans bilden. Der Tod als Allgegenwärtigkeit des Lebens einer aus Ostpreußen vertriebenen Familie bildet den Hintergrund für die sich fortan entwickelnde Geschichte, die die Protagonistin rasch in eine tiefe Sinn-Krise stürzt: Ihre Magersucht. Ausgehend von der Betrachtung eines Gemäldes mit dem bedeutungsschwangeren Titel "Hope" läßt die Autorin ihre vom Schicksal gebeutelte Heldin anhand von Erinnerungen und Rückblicken die Schattenseiten ihres jungen Lebens erneut erleben und erleiden- die einfühlsame, glaubwürdige Schilderung ihrer Magersucht fungiert dabei als begleitender roter Faden. Autorin Kerstin Fischer hat sich viel vorgenommen mit ihrem "Gewächshaus", und dank ihres wundervollen Schreibstils und der eindringlichen Erzählweise hat sie auch Erfolg. Die Erzählung präsentiert sich als stimmige Mischung ihrer Ebenen: Die Entdeckung der jungen Liebe und Sexualität, die tragische Vergangenheit, das fordernde universitäre Leben, die Krankheit, die zahlreichen literarischen und künstlerischen Zitate und Anspielungen - alles harmoniert einfach außerordentlich gut miteinander.
Jedem, der Lust hat, einem jungen Mädchen auf eine äußerst intime, melancholische Seelenfindung zu folgen, sollte sich der Lektüre von Sophias Erlebnissen widmen.    


Roman Möhlmann, Chefredakteur und Herausgeber des Literatur- und Kulturmagazins Taliteratur   


  

 

Weitere Urteile und Rezensionen zu der Erzählung "Das Gewächshaus"

Dr. Walter Rix, Anglist und ehemaliger Institutsleiter des Englischen Seminars der Universität in Kiel:


"(...) Eine einfache Syntax im Erzählduktus verbindet sich mit einem hohem Grad an dargestellter Komplexität. Es gelingt geschickt, berichtende Darstellung mit den Gefühlsregungen der betrachteten Person und sogar impliziten Kommentaren sowie Wertungen zu verbinden. Dadurch gewinnt die Erzählweise Unmittelbarkeit und Authentizität.(...) Es werden auch delikate, ja höchst intime Aspekte angesprochen. Man könnte sogar sagen, dass die Art der Beschäftigung mit Sophia geprägt ist durch brutale Feinsinnigkeit. Das Körperempfinden einer Frau wird mit einer solchen Konsequenz, mit einer solchen Entschlossenheit zur Aufdeckung  veranschaulicht bzw. in das Innerste der weiblichen Psyche geführt, dass man auch das erfährt, was ansonsten schamhaft verschwiegen wird. (...)

Insgesamt faszinierend, eindrucksvoll ... und erkenntnisreich. Für Lesungen  höchst  geeignet."


Sonntagstipp, 7. Oktober 2007

"Die Autorin schafft es, mit der bloßen Schilderung selbst belangloser Ereignisse die Leser für sich zu gewinnen und Spannung sowie Verstehen aufzubauen. Und mit welch fragiler Wucht sie sich Prosa mäßig mit diesem schwierigen Thema befasst, ist anerkennenswert.
"Das Gewächshaus" gehört sicher zu den besten Romanen, die einem zu diesem Thema in die Finger geraten können."


Verdener Aller Zeitung, 8. Oktober 2007

"Mit "Das Gewächshaus" ist der Autorin der anerkennenswerte Spagat zwischen Roman und Lebensberatung gelungen. Denn anders als in vielen Werken dieses Sujets hat Fischer nicht Schlagwörter  wie Kalorien oder BMI in den Fokus ihrer Geschichte gerückt. Die Autorin bezieht sich nicht auf den chronologischen Ablauf der Krankheit Magersucht, sondern nimmt primär zu dem Stellung, was hinter der als komplex zu bezeichnenden Anorexia nervosa steht." (Christel Niemann)


Kultur vor Ort, 16. Januar 2008

"Mich reizt es, Menschen mit Psychopathien über eine künstlerische Darstellung erfahrbar zu machen", erklärt die Publizistin. Dabei verbindet sie kunstvoll ihr Fachwissen und ihre Beobachtungen mit der hohen Literatur. Sie wolle bei ihren Lesern Verständnis für die Persönlichkeitsstörungen ihrer Protagonisten  wecken, "ein Gefühl für das Warum", erklärt Kerstin Fischer. Dies ist ihr mit "Das Gewächshaus" gelungen."

Lausitzer Rundschau, 9. Februar 2009

"Sophia erinnert in ihrer Lebenssehnsucht an Reimanns Figur Franziska Linkerhand, auch wenn "Das Gewächshaus", eine romanhafte Erzählung nur 102 Seiten stark ist." (tk)   




Aktuelles

Kriminalroman "Die Chiffren der Toten" im Verlag Edition Oberkassel als Ebook erschienen.

 

Lyrikband "Die Fragen der mutlosen Seidenspinner" bei Tredition erschienen als Hardcover, Paperback und Ebook  

 

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