Blaue Milch

 

Im Tau des Loslassens die Rede vom Glück

mit den blassen Wörtern der anderen Sprache

Ich trinke ihre erdenferne blaue Milch

und werde weises Wasser

in dem die Angst ertrinkt

erdnah

mein neues Gesicht

mit Wimpernschlägen

im Rhythmus beruhigter Meere

über dem Verbluten meiner Zeit

 

 

 

 

 

Water of poetry. Aquarell. Kerstin Fischer

 

 

 

 

 

 

Gläserne Küsse. Rosa  

 

Menschen treiben durch die Risse in meinem Glück

in der Hektik der Milchstraße.

Ich verrühre die Zeit in meinem Kaffee und lasse Zucker in ihr Ende fallen.

Die Würfel sind sprachlos.

Ich vermisse die Furcht.

Sie hat sich unter der Kirschblüte verkrochen

auf den stummen Wegen im Herzen der Vorgärten,

die nichts versprechen wollen, an diesem Tag,

der über das Leben im Tod entscheidet,

egal ob er lacht oder weint in eigentlich grundlose Fragen.

 

 

 

Rising.Kerstin Fischer

 

 

 

Ich fange die Sonntagsstimmen über den Aquarien der Stadt.

Das Glockengeläut ist luftig so früh am Morgen,

das ruhebedürftige Gestühl vor den Cafés noch angebunden.

Die Kettenhunde der Einsamen.

Ihr heiseres Bellen quillt aus den leeren Mägen der Straßen.

Ich sauge den Mut aus dem Licht und folge den Glasbläsern des Glücks.

Zwischen den phantasierten Marktbuden bleibe ich unentdeckt.

Der spiegelblanke Platz erinnert an Paris am Morgen des 1. Juli 1977,

als ich mich vor dem Erwachsenwerden verbarg.

Nur Notre Dame schützte vor der Hitze.

Und wer schützt vor dem Alter in Bremen am 1. Juli 2018?    

 

 

 

 

 

 

Ars vivendi

 

Ich studiere zwischen den Vogelstimmen die Details meiner Zeit.

Blühende Linien im Schnee. Umgeben von Grabluft. Erdbeerfarben.

Die Freude ist von den Tauben geliehen für die Ewigkeit in den Momenten.

Das Warten meines Gottes bleibt weise. Er schenkt mir silbernes Vergessen

für die Grauzonen meiner Jahresringe.

Ich lege die Ringe auf die Waage über dem Meer,

in dem die Nächte Augen haben und vermeide

die schlaffe Schönheit des Überflüssigen.

Die Erde nickt und trägt.

 

 

 

 

 

 

Im inneren Kreis

 

Zwischen den Palmen von Marbella glätte ich die graue Haut über meinem Leben.

Sie lässt sich von den Farben des Südens täuschen,

dem Rosa des Oleanders und dem Indigo des Wassers,

in dem sich meine hungrige Wüste spiegelt.

Ich presse Muscheln auf die Haut, um satt zu werden

und stille meinen Durst an dem hellen Lachen des Meeres.

Nonnen kreuzen meinen Weg.

Der trockene Boden verschluckt den Klang ihrer Schritte.

Das Jenseits muss das berücksichtigen.

Es ist stur, den ganzen Tag schon,

seit ich über den inneren Kreis meines Untergangs laufe. 

 

 

 

 

 

Lesart

 

Gott malt sein Zeichen auf meine Steine.

Ich lege sie in mein Meer.

Dort reifen sie   

zurück bis in die jüngeren Tage.

In deren Schwärze Licht.

Ich lasse es in ihre Sekunden fließen

und berühre die Gewitter ihrer Wege -

Die Risse in meiner Zeit, die Lämmer stürmen.  

 

 

 

 

 

   

 

Aktuelles                                                                                      

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© Kerstin Fischer